Sonntag, 4. Oktober 2009

Schnaps on a Plane

Millionen Deutsche kommen trotz hoher Blutalkoholwerte Nacht für Nacht sicher nach Hause. Im Volksmund gerne der »Suff-Autopilot« genannt, sorgt dieses einzigartige Bergungssystem für den automatischen Abtransport unwitziger Alkoholleichen. Obwohl hier sogar oft schon Sprach- und Gleichgewichtszentrum Feierabend haben nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren, legen diese wandelnden Biergräber »Feiermeier« beeindruckende Strecken zu ihrem angestammten Schlafplatz zurück.

Aber wie so oft sind es nicht Computer die im Hintergrund die Fäden ziehen, sondern mutige Männer und Frauen mit Pioniergeist und scheinbar endloser Geduld. Wir haben mit Rudi Nuntermuaßa, Ex-Lufthansa Pilot und Gründer von »Airdinger Alkoholfly« gesprochen.

Neu.Anders.: Herr Nuntermuaßa, wie kamen Sie eigentlich zum ferngesteuerten Abtransport schwitzender Saufköppe übermäßig alkoholisierter Partybesucher?

Rudi Nuntermuaßa: Eigentlich war das so eine Proof-of-concept-Sache. Als ich damals am Flughafen Bali bei der Lufthansa entlassen worden bin, hieß es von den damaligen Kollegen immer »Pilot und Betrunken sein, das passt nicht zusammen.« Als ich dann zwei Tage nach meiner Kündigung in meinem Bett in Rosenheim aufgewacht bin, hatte ich erstmal einen üblen Brand ist mir erst klar gewesen dass ich ein ungeheures Talent besitze. Selbst alkoholisiert kann ich einen Linienflug mit zwei Zwischenstopps lenken und eine Streifenkarte abstempeln. Und so habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

NA.: Wie genau funktioniert denn das mit dem »Suff-Autopilot«?
RN: Also zunächst einmal unterscheiden wir da grob zwischen GPS und SONAR. Beim GPS – Geh Pinkeln, Saufkopf – greifen wir nur lokal ein. Also da bleibt der Klient im Lokal und wird von uns zur nächsten Toilette dirigiert. Kniffliger ist es dann schon beim SONAR (»So, oiso nachad. Abmarsch, Rudi!« ; Anm. d. Red.). Hier arbeiten nicht nur unsere Piloten überregional zusammen, sondern schließen sich auch mit dem öffentlichen Nahverkehr und den Taxi-Zentralen zusammen.

NA.: Raffiniert. Aber wie genau werden Sie denn dabei bezahlt?
RN: Das ist ja das allerbeste daran: Der Klient merkt davon gar nichts. Von dem 100-Euro-Schein den er eben der Klofrau gegeben hat, wird unter anderem auch unser Service bezahlt. Da mögen jetzt einige behaupten das sei »unfair«, hier würde eine »Suff-Pilot-Schwarzfahr-Kultur« etabliert und so weiter. Aber der, der noch nie einer Klofrau einen 100-Euro-Schein hingeschmissen hat, der werfe den ersten Stein.

NA.: Welche Anforderungen werden bei einem typischen Auftrag an ihre Piloten gestellt?
RN.: Eigentlich nichts, was die nicht auch von der Flugschule kennen. Man steuert halt in der Regel mit konstanten Turbulenzen, an der GPS-Landebahn müssen die manchmal auch Wartekreisel pinkeln bevor der Tank leer ist. Ganz wichtig ist auch die Sicherheit. Wir haben alle Piloten dazu angewiesen keinesfalls nach dem Take-Off die Verwendung von Mobiltelefonen zu erlauben.

NA.: Sie blicken ja auf eine goldene Firmengeschichte zurück und haben hier unzählige Dankesschreiben an der Wand. Gab es auch mal schlechte Zeiten für ihr Unternehmen?
RN.: Also wir sind ja jetzt schon Jahre im Geschäft und haben immer Top-Arbeit geleistet. Bis auf das eine Mal...
NA.: ...ja?...
RN.: Das war 2005. Unser Klient war ein gewisser Schröder. Der war eigentlich bei uns in der Priority-Checkout-Liste, ist dann aber durch ein Missverständnis übersehen worden. Und als wir dachten der würde betrunken in seinem Bett die Wahlniederlage verpennen, trat er plötzlich in einer TV-Sendung auf und wollte nicht zugeben die Wahl verloren zu haben. Das war ganz schön peinlich. Wir konnten ihn auch leider nicht als Kunden halten, inzwischen ist er aber bei unserer russischen Zweigstelle ein gern gesehener Gast.

NA.: Na dann wünschen wir Ihnen für die Zukunft keine Wiederholung solcher Szenen.
RN.: Ganz bestimmt nicht. Wenn man vom Teufel spricht, hier ist wieder so ein Kandidat. Oktoberfest, Schottenhammel-Zelt, Obermeier M., Frequent Flyer. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, ich muss dafür sorgen dass da jemand seine Bonusmeilen heimschwankt.

NA.: Vielen Dank für das Interview.


2 Kommentare:

  1. Wäre mir zu teuer dieser Service, aber da ich Antialkoholiker bin, kann mir das ja glücklicherweise egal sein =D

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