Einen echten großen Reiseelefanten. Mit großem Passagierkorb. Der sollte es hier ja dann schön warm haben. Damit schlage ich mehr Fliegen mit einer Klappe als um den Elefanten überhaupt kreisen. Fangen wir gleich bei ihm – oder ihr, politisch korrekt könnte es sich auch um eine ebenso gut ausgebildete Elefantendame handeln – an. Während weltwirtschaftlich gesehen bei Elefanten für Europa nur die Einzelteil-Vermarktung als Aschenbecher, Gehstock, Wandschmuck oder Ledermantel vorgesehen ist, biete ich dem Tier einen gesicherten Arbeitsplatz mit zufriedenstellender Erdnuss-Versorgung. Nach sowas würde sich in Zeiten der Wirtschaftskrise doch jeder Arbeitnehmer die Finger lecken
Der typische Elefantentag beginnt gegen 7:50 Uhr morgens auf zwei willkürlich ausgewählten PKWs in meiner Nachbarschaft. Hier hat der Elefant Zeit sich 25 Minuten die Hufe zu vertreten.
Gegen 8:40 Uhr stampfen wir dann langsam los in Richtung Büro. Theoretisch könnte ich dem Tier und dem Verkehr zuliebe durch den Englischen Garten trampeln, entscheide mich aus Prinzip aber dazu den Föhringer Ring und die Ungererstr. zu Planieren. Motorradfahrer werden dabei in der Ampel-Startaufstellung ebenso übergangen wie BMW-lenkende Wichtigtuer und überurbane Smart-Ökos – in der Savanne gibt’s halt keine Ampeln, das kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Ebensowenig kennt das Tier offenbar U-Bahn-Stationen. Der allmorgendliche Ansturm aus der Alten Heide wird deswegen wie in der Perser-Szene aus 300 abgeräumt. Über Polizeikontrollen mache ich mir derweil keine Sorgen. Die müssten schon Snowspeeder mit Schleppkabeln haben um uns aufzuhalten.
Am Verlagsgebäude gegen 9:30 Uhr angekommen, geht der Elefant vor dem Haupteingang auf die Knie damit ich aussteigen kann. Hat er sich dabei auf schwer quetschbare SUVs gesetzt, rutsche ich über den Rüssel/Stoßzahn nach unten. Der Elefant bekommt jetzt die erste Ladung der versprochenen Erdnüsse und wartet brav vor dem Verlag/auf den Jeeps bis ich mein Tagewerk verrichtet habe. Je nach geltenden Tierschutzauflagen könnte ich gezwungen werden in der Mittagspause mit dem Elefanten auf dem Grünstreifen vor dem Verlag spazieren zu gehen. Möglicherweise genügt es aber auch das Tier auf »Hol das Stöckchen« zu konditionieren, mittags die Parkkralle am Elefanten zu lösen und vom Kantinenfenster aus zuzusehen, wie Stampfi Büsche, Bäume, Hunde und Kinder dem Erdboden gleichmacht. Richtig, ich werde den Elefanten dann wahrscheinlich »Stampfi« nennen. Oder Colonel Hathi. Oder Bertrand Rüssel.
Auch für die Abendgestaltung am Wochenende hat ein Elefant nur Vorteile. Zunächst mal sticht ein Elefant locker jeden Porsche
Ein paar Fragezeichen bleiben aber doch noch. Unklar ist momentan noch, wie der Wocheneinkauf zu handhaben ist. Immerhin wird auf den Schildern an der Supermarkttür explizit verboten, Hunde mit in den Markt zu nehmen. Und dagegen würden wir ja nur verstoßen, wenn wir vorher nicht die festgetretenen Überreste aus dem Park aus den Hufen kratzen würden. Außerdem weiß ich noch nicht, ob Elefanten krank werden, wenn man sie nur mit Erdnüssen füttert. Dann wäre ich ja auch mit meinem Problem kein Stück weiter – die Scheiße wäre jeden Tag die gleiche.
