Montag, 9. November 2009

Eine Lösung für Rüsselsheim

Ich bin es Leid. Jeden Tag die selbe Scheiße. Seit Wochen parke ich den Opel Corsa vor Büro und Wohnung auf dem Randstein, bekomme dafür pausenlos Strafzettel, stehe morgens im Stau, toleriere einen Schrotthaufen ein Auto ohne ABS sowie zuverlässige Heizung und Benzin wird ja auch nicht billiger. Nein, damit ist jetzt Schluss. Für mich kommt deshalb in Zeiten der globalen Erwärmung nur eine logische Lösung in Frage: Ich will einen Elefanten!

Einen echten großen Reiseelefanten. Mit großem Passagierkorb. Der sollte es hier ja dann schön warm haben. Damit schlage ich mehr Fliegen mit einer Klappe als um den Elefanten überhaupt kreisen. Fangen wir gleich bei ihm – oder ihr, politisch korrekt könnte es sich auch um eine ebenso gut ausgebildete Elefantendame handeln – an. Während weltwirtschaftlich gesehen bei Elefanten für Europa nur die Einzelteil-Vermarktung als Aschenbecher, Gehstock, Wandschmuck oder Ledermantel vorgesehen ist, biete ich dem Tier einen gesicherten Arbeitsplatz mit zufriedenstellender Erdnuss-Versorgung. Nach sowas würde sich in Zeiten der Wirtschaftskrise doch jeder Arbeitnehmer die Finger lecken – besonders nach den Erdnüssen, da bleibt ja immer was an den Händen kleben. Vor allem bei denen von Ültje. Kennen Sie die mit der Knusperhülle? Da ist es ganz besonders schlimm.

Der typische Elefantentag beginnt gegen 7:50 Uhr morgens auf zwei willkürlich ausgewählten PKWs in meiner Nachbarschaft. Hier hat der Elefant Zeit sich 25 Minuten die Hufe zu vertreten. Haben Elefanten überhaupt Hufe? Ein ehemaliger Klassenkamerad würde sogar so weit gehen zu sagen, die hätten „Hufenes“. Aber ich schweife ab. Danach weckt mich mein treues Reittier mit seinem Mark-erschütternden Getröte. Das ist besonders für Mark schlecht, aber zum Glück kenne ich keinen Mark. Während ich dusche, wäscht sich auch der Elefant mit per Rüssel aufgesaugtem Regenwasser. Dabei spritzt er die Balkone aller doofen Nachbarn unnötig voll und lässt es auf seine tollpatschige aber irgendwie doch liebenswerte Elefantenart wie ein Versehen aussehen. Nachdem ich meinen Kaffee getrunken und einen Beutel voll Knusperhüllen-losen Erdnüssen eingepackt habe, rutsche ich wie Fred Feuerstein vom Balkon aus entlang seines Rüssels/lächerlich langen Stoßzahns in den geräumigen Passagierkorb.

Gegen 8:40 Uhr stampfen wir dann langsam los in Richtung Büro. Theoretisch könnte ich dem Tier und dem Verkehr zuliebe durch den Englischen Garten trampeln, entscheide mich aus Prinzip aber dazu den Föhringer Ring und die Ungererstr. zu Planieren. Motorradfahrer werden dabei in der Ampel-Startaufstellung ebenso übergangen wie BMW-lenkende Wichtigtuer und überurbane Smart-Ökos – in der Savanne gibt’s halt keine Ampeln, das kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Ebensowenig kennt das Tier offenbar U-Bahn-Stationen. Der allmorgendliche Ansturm aus der Alten Heide wird deswegen wie in der Perser-Szene aus 300 abgeräumt. Über Polizeikontrollen mache ich mir derweil keine Sorgen. Die müssten schon Snowspeeder mit Schleppkabeln haben um uns aufzuhalten.

Am Verlagsgebäude gegen 9:30 Uhr angekommen, geht der Elefant vor dem Haupteingang auf die Knie damit ich aussteigen kann. Hat er sich dabei auf schwer quetschbare SUVs gesetzt, rutsche ich über den Rüssel/Stoßzahn nach unten. Der Elefant bekommt jetzt die erste Ladung der versprochenen Erdnüsse und wartet brav vor dem Verlag/auf den Jeeps bis ich mein Tagewerk verrichtet habe. Je nach geltenden Tierschutzauflagen könnte ich gezwungen werden in der Mittagspause mit dem Elefanten auf dem Grünstreifen vor dem Verlag spazieren zu gehen. Möglicherweise genügt es aber auch das Tier auf »Hol das Stöckchen« zu konditionieren, mittags die Parkkralle am Elefanten zu lösen und vom Kantinenfenster aus zuzusehen, wie Stampfi Büsche, Bäume, Hunde und Kinder dem Erdboden gleichmacht. Richtig, ich werde den Elefanten dann wahrscheinlich »Stampfi« nennen. Oder Colonel Hathi. Oder Bertrand Rüssel.

Auch für die Abendgestaltung am Wochenende hat ein Elefant nur Vorteile. Zunächst mal sticht ein Elefant locker jeden Porsche auf aus. Dafür hat er ja die Stoßzähne. Neben dem perfekten Aufritt vor jeder Disko oder Bar hat man zugleich den unschlagbaren Anmachspruch – Ja, genau den - parat und muss sich hinterher auch keine Sorgen machen, wie man betrunken ins Bett kommt. Erdnüsse zur Elefanten-Motivation sollten in einer Bar ja nicht allzu schwer aufzutreiben sein.

Ein paar Fragezeichen bleiben aber doch noch. Unklar ist momentan noch, wie der Wocheneinkauf zu handhaben ist. Immerhin wird auf den Schildern an der Supermarkttür explizit verboten, Hunde mit in den Markt zu nehmen. Und dagegen würden wir ja nur verstoßen, wenn wir vorher nicht die festgetretenen Überreste aus dem Park aus den Hufen kratzen würden. Außerdem weiß ich noch nicht, ob Elefanten krank werden, wenn man sie nur mit Erdnüssen füttert. Dann wäre ich ja auch mit meinem Problem kein Stück weiter – die Scheiße wäre jeden Tag die gleiche.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Moment, Aufnahme!

Ich spiele jetzt seit mehr als 15 Jahren Videospiele. Oft bleibt mir aber von einem Zehn-Stunden-Spiel nicht mehr in Erinnerung als vielleicht ein paar magische Momente. Momente, die mich dann doch daran zweifeln lassen ob ich da gerade ein tumbes Telespiel durchklicke oder doch irgendwie mehr dahinter steckt. Ja, vielleicht sogar Momente in denen ich Spiele als Kunst bezeichnen würde.

Momente wie zum Beispiel...

...in Dragon Age: Origins den Amboss zu vernichten.

...in Assassin's Creed 2 (zum Schluss) direkt angesprochen zu werden.

...in Uncharted 2 im Zug-Level mit der allerletzten Patrone das Sicherungsseil eines Holzwagons zerschießen und damit einen sonst fast unbesiegbaren Zwischenboss mitsamt der geladenen Baumstämme in die Tiefe stürzen zu lassen.

...in Brütal Legend mit dem Hotrod aus dem explodierenden Palast von General Lionwhite zu flüchten und dabei zu merken, dass jede Detonation und jeder fallende Felsbrocken exakt zum aus dem Autoradio wummernden Takt von Through the Fire and Flames von Dragonforce passt.

...in Call of Duty: Modern Warfare vor dem Bildschirm sitzend in Pripyat den knurrenden Hunden gut zuzureden und diese dann tatsächlich nicht angreifen.

...in Left 4 Dead einen meterlangen Baumstamm auf sich zufliegen zu sehen, der dann einen Meter vor einem einschlägt und anschließend ohne Schaden anzurichten über den Kopf nach hinten weg rotiert.

...in Batman: Arkham Asylum wortlos einen ferngesteuerten Batarang wieder zu fangen, der zuvor eine ganze Feindgruppe ausgeschaltet hat.

...das Ende von Portal zu sehen.

...das Ende von Braid zu kapieren.

...in GTA 4 ein schlechtes Gewissen zu bekommen, wenn man betrunken einen Passanten überfahren hat.

...in Halo 3 in letzter Sekunde von einem Koop-Mitspieler per Hornet-Gleiter vom Rücken eines zuvor selbst zerstörten gigantischen Scarab-Walkers abgeholt werden und beim Blick zurück die riesige Explosion zu sehen.

...in Zelda: Ocarina of Time durch das zerstörte Hyrule laufen und zu wissen, dass man daran Schuld ist.

...in Monkey Island 3 ein Destructomatic-T47 zu kaufen.

...in Monkey Island 2 die Karteikarten in der Bibliothek von Phatt Island zu lesen und Jahre später noch immer auswendig zu können.

...in Max Payne 2 von den Polizeikollegen angemault zu werden, wenn man vor dem Fernseher steht.

...in Fallout 3 moralisch nicht in der Lage zu sein, Megaton zu sprengen.

...in Stalker vom Monolithen bestraft zu werden.

...das miese Gefühl nachdem man in Bioshock eine Little Sister ausgesaugt hat.

...die emotionale Achterbahnfahrt mit Jenny in The Darkness.

...in Half-Life 2: Episode 1 von Alyx in der Dunkelheit mit Zombiegeräuschen veräppelt zu werden.

...in Gears of War das erste Mal Regen zu sehen.

...in Fahrenheit nicht in der Lage zu sein, als Polizistin Carla die zuvor selbst als Mörder Lucas verstreuten Beweise zu finden.

...in FEAR 2 so zu erschrecken, dass man anschließend einen Abend lang Schluckauf hat.

...in Oblivion verzweifelt ein Gegenmittel für den eigenen Vampirismus zu suchen und sich stattdessen mit der Situation abzufinden.

...die eigenen Freunde in Secret of Evermore zu treffen.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Schnaps on a Plane

Millionen Deutsche kommen trotz hoher Blutalkoholwerte Nacht für Nacht sicher nach Hause. Im Volksmund gerne der »Suff-Autopilot« genannt, sorgt dieses einzigartige Bergungssystem für den automatischen Abtransport unwitziger Alkoholleichen. Obwohl hier sogar oft schon Sprach- und Gleichgewichtszentrum Feierabend haben nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren, legen diese wandelnden Biergräber »Feiermeier« beeindruckende Strecken zu ihrem angestammten Schlafplatz zurück.

Aber wie so oft sind es nicht Computer die im Hintergrund die Fäden ziehen, sondern mutige Männer und Frauen mit Pioniergeist und scheinbar endloser Geduld. Wir haben mit Rudi Nuntermuaßa, Ex-Lufthansa Pilot und Gründer von »Airdinger Alkoholfly« gesprochen.

Neu.Anders.: Herr Nuntermuaßa, wie kamen Sie eigentlich zum ferngesteuerten Abtransport schwitzender Saufköppe übermäßig alkoholisierter Partybesucher?

Rudi Nuntermuaßa: Eigentlich war das so eine Proof-of-concept-Sache. Als ich damals am Flughafen Bali bei der Lufthansa entlassen worden bin, hieß es von den damaligen Kollegen immer »Pilot und Betrunken sein, das passt nicht zusammen.« Als ich dann zwei Tage nach meiner Kündigung in meinem Bett in Rosenheim aufgewacht bin, hatte ich erstmal einen üblen Brand ist mir erst klar gewesen dass ich ein ungeheures Talent besitze. Selbst alkoholisiert kann ich einen Linienflug mit zwei Zwischenstopps lenken und eine Streifenkarte abstempeln. Und so habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

NA.: Wie genau funktioniert denn das mit dem »Suff-Autopilot«?
RN: Also zunächst einmal unterscheiden wir da grob zwischen GPS und SONAR. Beim GPS – Geh Pinkeln, Saufkopf – greifen wir nur lokal ein. Also da bleibt der Klient im Lokal und wird von uns zur nächsten Toilette dirigiert. Kniffliger ist es dann schon beim SONAR (»So, oiso nachad. Abmarsch, Rudi!« ; Anm. d. Red.). Hier arbeiten nicht nur unsere Piloten überregional zusammen, sondern schließen sich auch mit dem öffentlichen Nahverkehr und den Taxi-Zentralen zusammen.

NA.: Raffiniert. Aber wie genau werden Sie denn dabei bezahlt?
RN: Das ist ja das allerbeste daran: Der Klient merkt davon gar nichts. Von dem 100-Euro-Schein den er eben der Klofrau gegeben hat, wird unter anderem auch unser Service bezahlt. Da mögen jetzt einige behaupten das sei »unfair«, hier würde eine »Suff-Pilot-Schwarzfahr-Kultur« etabliert und so weiter. Aber der, der noch nie einer Klofrau einen 100-Euro-Schein hingeschmissen hat, der werfe den ersten Stein.

NA.: Welche Anforderungen werden bei einem typischen Auftrag an ihre Piloten gestellt?
RN.: Eigentlich nichts, was die nicht auch von der Flugschule kennen. Man steuert halt in der Regel mit konstanten Turbulenzen, an der GPS-Landebahn müssen die manchmal auch Wartekreisel pinkeln bevor der Tank leer ist. Ganz wichtig ist auch die Sicherheit. Wir haben alle Piloten dazu angewiesen keinesfalls nach dem Take-Off die Verwendung von Mobiltelefonen zu erlauben.

NA.: Sie blicken ja auf eine goldene Firmengeschichte zurück und haben hier unzählige Dankesschreiben an der Wand. Gab es auch mal schlechte Zeiten für ihr Unternehmen?
RN.: Also wir sind ja jetzt schon Jahre im Geschäft und haben immer Top-Arbeit geleistet. Bis auf das eine Mal...
NA.: ...ja?...
RN.: Das war 2005. Unser Klient war ein gewisser Schröder. Der war eigentlich bei uns in der Priority-Checkout-Liste, ist dann aber durch ein Missverständnis übersehen worden. Und als wir dachten der würde betrunken in seinem Bett die Wahlniederlage verpennen, trat er plötzlich in einer TV-Sendung auf und wollte nicht zugeben die Wahl verloren zu haben. Das war ganz schön peinlich. Wir konnten ihn auch leider nicht als Kunden halten, inzwischen ist er aber bei unserer russischen Zweigstelle ein gern gesehener Gast.

NA.: Na dann wünschen wir Ihnen für die Zukunft keine Wiederholung solcher Szenen.
RN.: Ganz bestimmt nicht. Wenn man vom Teufel spricht, hier ist wieder so ein Kandidat. Oktoberfest, Schottenhammel-Zelt, Obermeier M., Frequent Flyer. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, ich muss dafür sorgen dass da jemand seine Bonusmeilen heimschwankt.

NA.: Vielen Dank für das Interview.


Sonntag, 27. September 2009

Typo-Problemlösung #587

Sam Fisher aus Splinter Cell: Conviction würde diese ganze "Tochtermord-Rache-Umbring"-Kiste sehr viel entspannter sehen, wenn er tatsächlich ein "Nachsichtgerät" tragen würde.

The first cut is the deepest.

In meinem Kopf wohnt nur noch ein böser Mann. Der hat Herbert und Frank rausgeworfen, "Nicht witzig" sollen die beiden sein. Er ist aber nicht nur böse sondern auch ungeheuer penibel. Und alt. Und sehr weitsichtig, vermutlich trägt er deswegen ein Monokel. Randnotiz: Wenn ich Monokel höre, muss ich immer an den Monopoly-Mann denken. Der hat aber gar keins auf. Weitsichtig deshalb, weil er jede Idee, jeden Witz, jede Pointe mindestens einhundertmal laut aufsagt, dann für zu abgedroschen, zu lahm, zu speziell empfindet, vorher nochmal alles mit Rotstift durchstreicht und dann in den Papierkorb wirft.

Er selbst nennt sich nur "der Lektor". Nein, nicht der aus dem Yps-Heft. Auch nicht der Erfinder der Lecktrizität. Der der einem alles rausstreicht und dafür auch noch Geld bekommt. Gut, er bekommt nix. Ist ja gar nicht echt. Der Lektor hat also nicht nur Herbert und Frank verjagt, sondern auch sonst noch ziemlich viele andere Gedanken-Konstrukte auf dem Gewissen.

Immer wenn also mit mir die Kreativität der Wahnsinn durchgeht, fängt er an sich einzuschalten und rot anzustreichen, zu kürzen, abzuschießen, zu verwerfen. Das letzte Blog hat er damit umgebracht, mit Herbert war's das soweit. Ha, das streicht er mir bestimmt raus.

Blöd für den Lektor: er arbeitet nicht gerne vor Publikum. Schließlich könnten seine präzisen Vorhersagen über Sinn und Unsinn bestimmter Ideen ja durch einen einzigen Idioten auf der Tribüne ins Wanken geraten. Nicht weil es ein besonders dicker Idiot ist, sondern weil einer alleine schon als Beweis für die Existenz einer mögliche Zielgruppe durchgeht. "Zielgruppe" ist übrigens ein Spitzenname für einen Counterstrike-Clan, aber ich schweife ab. Hier muss er wenn überhaupt die laufende Vorstellung zensieren, die Idee der Gedankenfurz steht aber dann schon im Blog.

Freilich ist der Lektor auch bei den Kommentaren ein Korrektur-Nazi ordnungsliebender Mensch. Zusätzlich dazu dass das hier eine Privatveranstaltung ist, gehts also auch bei den Meinungsäußerungen ähnlich liberal wie in China zu. Deswegen fahren wir aber keine Studenten mit dem Panzer platt. Die bekommt man immer so schwer wieder aus den Ketten raus.